Griechenland: Wien – Agios Ioannis – Wien

Kurz ein paar Eckdaten.

Moped: Lambretta Jet 200 (in fast ganz original)
Distanz: 3600km (hin & Retoure)
Zeitraum: 15.8. – 2.9.2010

Verbrauchtes Material:
5l 2T-Öl
ca. 160L Benzin
1/8l Getriebeöl
1 Stk. Bilux Birne
ca. 10 Kabelbinder
eine Dose Bremsreiniger19
etwas Schmierfett
ein Heidenau K58

Lange hab ich mir schon vorgenommen eine weitere Strecke mit dem Roller zu fahren, als nur zur Uni, Eltern oder Freunden. Super, eh gerade tiefster Winter, liegt man(n) in der Sauna und denkt an wärmere Gefilde. Da ergab sich rein zufällig, dass ich Freunde an Griechenlands Ostküste (nähe Volos) besuchen werde. Die haben dort eine nette alte Ölmühle, ohne Strom, ganz knapp am Meer!

Nach dem ich die Jet dann mal für südliches Klima eingestimmt hatte war alles soweit klar,… entweder sie verreckt oder sie bringt mich noch viel weiter wenn ich es wollte. Bei dieser Gelegenheit einmal danke an alle die mich kennen oder nicht kennen und meine dauernden Anrufe, Mails, etc. ertragen haben.

Von Wien aus habe ich den Weg zu meinen Eltern genommen, dort noch alles durchgecheckt, Karten kopiert und den Wanst voll geschlagen. Am So. dem 15. bin ich früh morgens los, über Wildalpen Richtung Gesäuse, Liezen, Sölkpass(1790m), Murau, Turracher Höhe(1795m), Villach, Hermagor, Nassfeld(1552m), Pontebba,… bis mich dort in der Nähe Enrico mit seiner mattschwarzen Cutdown LI überholt hat, einem Grinsen unterm Visier und einen Daumen nach oben. Auf der nächsten Tankstelle hab ich ihn wieder getroffen und mit ihm eine Zigarette geraucht. „Ah, Vienna, Spitzbuam, Uschi,… „. Nach kurzem sind noch Freunde (Federico, Thomas, Alessandra) im Auto vorbeigekommen und ich hatte schon meine erste Unterkunft. Federico hat noch Pizza geholt, Bier war im Kühlschrank.
Nach dem ich noch ein paar Reisetipps bekommen habe, bin ich am nächsten Morgen gegen 8:00h losgedüst. Federico hat mich noch bis zum Kreisverkehr gebracht und mir die Richtung nach Venedig gedeutet.

Sölkpass
Sölkpass

Thomas, Federico und Ich.
Thomas, Federico und Ich.

Auf nach Mestre. Wenn man alleine unterwegs ist, hat man gewisse Schwierigkeiten mit dem Gepäck (mehr Werkzeug als Klamotten) und dem sicheren Parken vom Roller. Ich wollte ja wieder auf meinen 2 Rädern heim kommen. In Mestre gibts nen Bahnhof, dort gegenüber einen kleinen Parkplatz der überwacht ist und eine nette ältere Seniorita die meinte, ich soll meinen Roller zu ihrem Kassenhäuschen stellen, weil damit belege ich keinen Autoparkplatz. Super! Da lässt sich der Roller schön absperren und die nette Dame hat auch noch mein Gepäck in ihrem Häuschen verwahrt. Kurz darauf bin ich schon durch die engen Gassen von Venedig spaziert hab auch mal den Marcusplatz gesehen (wo sind die Tauben hin?) und gut Eis gegessen. Übrigens, in einer kleinen Bar am Tresen; ein Tramezzini, ein AperolSpritz und ein Espresso für 5€. Das nenn ich Kultur. Zurück am Parkplatz war der Roller noch da, die Dame nicht mehr. Ihrer Ablöse hab ich die kleine Packung Baci gegeben und in meinem sehr, sehr schlechten Italienisch gedeutet, die seien für Seniorita! Als ich meinen Roller bepackt hatte, drückte mir der Mann sein Telefon in die Hand und meinte: „Seniorita!“ Ich weiß nicht genau was sie gesagt hat, sie hat sich aber gefreut.

Venedig
Venedig

Venedig

Am selben Tag gings noch weiter nach Ravenna, erste Kreisverkehr, türkise DL von links, Daumen hoch,… das wurde später schon zum Klassiker. Zum Kapitel Campingplatz: Im Nachhinein großen Dank an meine Eltern, dass sie uns eher auf einen kleinen Schotterteich in Österreich Urlauben ließen, als an der Adria. Ich bin mir zwischen den ganzen italienischen Proficampern etwas außerirdisch vorgekommen. Pizza war trotzdem super. Das Abendentertainment (Italo-Kinderdisco & Schlager für Fortgeschrittene) war nicht mein Ding und zum ersten mal war ICH in der Situation, dass ich mir dachte:“Bitte hört´s auf mit der Musik, es ist schon halb 12h!!!“.
Nächsten Tag wollte ich mir das Pascoli Museum ansehen, leider aber geschlossen wegen der Feiertage. Im Centro MIR dann noch Molykot und Bremsreiniger gekauft, dachte mir, ich schmiere noch die Schaltmechanik bevor ich nach Griechenland übersetze.

Ravenna
Ravenna

Ravenna Beach
Ravenna Beach

MIR Centro (Pascoli Museum)
MIR Centro (Pascoli Museum)

Weiter gings nach San Marino, endlich Kurven und ein Berg. Oben angekommen kurz gerastet, getankt und bemerkt, dass eines der Tankspannbänder gerissen war. Kabelbinder haben gute Dienste geleistet. Weils so schön war und der Schaden schnell behoben, bin ich noch ein paar Kilometer durch das Umland von San Marino gerollert, schöne Hügeln, kleine Dörfer, freundliche Carabineri und guter Kaffee.
Mir hatte Federico eine Adresse aufgeschrieben, nahe Ancona, wo ich ja hin wollte, um am Nachmittag des 18. Richtung Griechenland über zusetzten. Das war auch nicht mehr so weit, von da wo ich gerade war. Die SS 16 Adriatica (Bundestrasse entlang der Adria) ist eigentlich ab Rimini recht nett zu Fahren, nicht mehr so endlose Geraden mit einem Kanal zur rechten und Büsche zur linken. Da stechen mir rechts am Straßenrand zwei mausgraue Vespas und ein echt geiler Fiat 650 ins Aug. Rechts ran und da war Bruno. Der könnte mir das Tankband schweißen, das hab ich gewusst. Sein dicker Freund stand nur daneben und hat geschaut, den Roller von oben bis unten gemustert: „Vienna? Innsbruck?“. Ich: „Si, Austria – per Lambretta“. Bruno hat irgendwo herum geschweißt, geschliffen und mir, nach dem ich das gerichtete Tankband bekommen hatte, seine getunten 650er Fiats mit Abarth Motor vorgeführt, Innocenti Mini in schwarz auch natürlich seine 3er LI traumhafthaft Original, VBB1, 50S,… von allem was die kleintalienische Motorkultur ausmacht, etwas. Weiter ging´s, die Sonne war schon am Sinken und ich noch nicht in Morro d´Alba zwischen Ostra und Jesi. Der Küste entlang waren an den Badestränden ausschließlich neue Roller zu sehen, ab und zu mal ne 50S oder PX, sonst nix. Wenn man von der Küste weg ins Land rein fährt, dauert es keine paar Kilometer und die Landschaft ist wieder voll mit weichen Hügeln, Alleen und kleinen Ortschaften mit Castellos in der Mitte. Ja, Ziegelmauern bauen können sie, die Italiener (oder waren es damals doch ihre Sklaven?).

San Marino (im Hintergrund).
San Marino (im Hintergrund).

Brunos Werkstatt
Brunos Werkstatt

Bruno, Fiat 650 Aparth und LI3.
Bruno, Fiat 650 Aparth und LI3.

Wer mal nach Morro D´Alba kommt, soll das „Ristaurante Dal Margo“ nicht verfehlen! Frag auch dort nach einer Möglichkeit zum Schlafen, ist super. Zum Essen gabs Tortellini mit Ragout nach Art des Hauses, Hase in Öl und Knoblauch, gratiniertes Gemüse, Vino del Cassa rosso & bianco, Grappa, Kaffee und nachher noch mit der Tochter des Hauses in die kleine schmuddelige Bar oben am Hauptplatz. Ihre Cousine war dort, hinter der Bar, auch ihr Vater, vor der Bar,… . Zum Glück wars ja nicht weit zum Hotel, mir fällt kein besserer Name ein für diese kleine Perle zwischen den Weinhügeln. Am nächsten Morgen etwas Dampf im Kopf, guten Kaffee und Süßes. Der alte Italiener am Tisch hinter mir fragt die Chefin (DIE Tochter des Hauses) nach dem Roller vor der Tür, sie deutet auf mich, er, mit Tränen in den Augen nostalgisch in Erinnerungen schwelgend:“ Lambretta, NICHT Vespa, die sind Super! Hatte ich auch mal.“ Er konnte es nicht lassen und ich musste die beiden Minibikes im Kofferraum seines SUV´s besichtigen, seine Frau hat nur die Augen verdreht.

Morro D´Alba (Hotel „Shanti House“)
Morro D´Alba (Hotel

Andiamo. Ancona war nur mehr 20km von hier, ich habe trotzdem fast 2 Stunden gebraucht, wirklich eine schöne Gegend dort.
Im Hafen angekommen hab ich Tickets gebucht, Ancona-Igoumenitsa-Ancona für ca.100€. Vor Ort noch Proviant für die Fähre eingekauft und an einem schattigen Plätzchen Wartungsarbeiten am Roller durchgeführt (Gammel runter, neues Fett rauf, Züge nachgestellt, etwas Getriebeöl getauscht, Zündkerze schön Honiggelb mit leichtem Braunstich). Ich bin zuvor noch nie mit so einer Fähre gefahren, schon ziemlich beeindruckend wie viele LKW´s, Dethleffs und andere Vierräder in dem Bauch von so einem dieselbetriebenen Teil Platz haben.
Was ich später auch bei den weiteren Fähren sehr genossen hatte, war das Warten mit den ganzen großen Profi-BMW-1200GS-Weltumseglern, aber irgendwie haben die mich ganz schön respektiert oder gleich ganz ignoriert. Die Nacht auf der Fähre war toll, ich hab ein sehr nettes Buch begonnen (Salman Rushdie – Harun und das Meer der Geschichten – ISBN-10: 3499239361) und zum Takt der Dieselmotoren ausgezeichnet geschlafen. Wenn man nur Deckkarten hat, empfehle ich Ohropax und ein kleines Handtuch, das man sich übers Gesicht legt um es wirklich dunkel zu haben.

Ancona (Straßenrandschrauber)
Ancona (Straßenrandschrauber)

Ancona (Straßenrandschrauber)

Ravenna

Fähre
Fähre

Hafen
Hafen

19. August, mein Erstes Mal auf Griechenland! Die Bäckerei ums Eck hat mich gleich schwer beeindruckt, mit ihren Germteiggkringeln mit Oliven- und Paradeiserfüllung, Kaffee auch sehr gut. Es war ca. 9:00h und ich wollte noch vor Sonnenuntergang bei meinen Freunden sein. Also gings Querfeldein, die Bundesstraße entlang durch die Berge, eigentlich war´s ziemlich frisch für die Jahreszeit, hat mich sehr überrascht, aber auch weniger zum Schwitzen gebracht. Wenn man zum ersten Mal in einer Gegend ist, gibt das ein unglaubliches Gefühl her. Später habe ich die Landschaft auch besser begriffen. Nahe am Meer bleibt an den Hängen und Bergen oft ein Gewitter hängen und du siehst grünes Dickicht um dich herum, die Luft riecht feucht nach Moos und es wachsen Farne entlang der Bergstraßen. Dann fährst du eine Kurve weiter und auf der anderen Seite des Hanges ist es karstig und nur mehr etwas Gestrüpp. Die
ganze Fahrt durch die Berge ist mir nicht viel entgegen gekommen, ein paar Ziegen höchstens. Nach einigen Kilometern in die Berge waren die Straßen eigentlich viel besser als mir erzählt wurde. Lediglich in den Hochebenen, da wo du neben der Straße die stillgelegten Schilifte siehst, auf deren Pisten gerade das Vieh weidet, senken sich schon gerne auch ein größeres Stücke der Fahrbahn in Bruchstücken um 20cm ab, kann doch zu einer kleinen Überraschung werden, genau so wie das Verkehrsschild „Depot für Schneepflüge in 2km“ aufgestellt war. Da rollert man so zwischen 1000m und 1200m Seehöhe herum und endlich gehts den Berg hinab. Von gelegentlichen Rinnsälen in scharfen Rechtskurven sollte man sich nicht beirren lassen, der Heidenau Reifen hält recht schnell wieder am trockenen Asphalt, oder ist das doch polierter Beton was die Griechen auf ihren Straßen haben, oft weiß man das nicht so genau.

Gegend
Hafen

Hafen

Hafen

Hafen

So um die Mittagszeit, wie mir der Sonnenstand deutet, erkenne ich am leicht diesigen Horizont die Felszüge von Meteora. Von Wind und Wetter geschliffene Felsformationen die damals, im Jahre weiß-nicht-wann, von Mönchen mit ihren Klöstern bebaut wurden um sich von den einfallenden Osmanen in Sicherheit zu bringen. Eindrucksvoll sind die Felsen allemal, wie an ihren Spitzen geformte Steinhaufen zu Häusern geschlichtet wurden. In Kalabaka hab ich noch schnell ein Gyros Pita verdrückt. Schönen Gruß an das junge deutsche Studentenpärchen, die nicht ganz glauben konnten, dass ich gerade aus Wien komme. Danke auch an den heißen Tipp:“ … dann kannst du den Bus nehmen und dort rauf zu den Klöstern fahren, ist echt schön!“. Ja, echt schön… mit dem Roller. Also hab ich die Felsen abgefahren, oben die schöne Aussicht genossen und gemerkt, dass es in Richtung Larisa nur mehr flach weiter geht.
Also noch einmal Schwung geholt und ab auf die Gerade. Mittlerweile ist es auch schon um einige Grade wärmer geworden. Dem Roller, oder besser mir, hab ich gesagt: „Der is in Spanien gebaut, der kennt sich mit Hitze und dem Wetter gut aus!“. Mit gemütlichen 70 – 80km/h gings durch die Pampa, ab und zu eine Stadt, die es zu umfahren gab oder einen toten Hund, oder was davon übrig war. Manchmal war ich mir wirklich nicht sicher ob das Bisschen auf der Straße ein Stück Karton oder der Rest von so einem mumifizierten Etwas war.

Meteora
Hafen

Hafen

So war ich dann in Larisa, diese Stadt hatte mich nicht ganz so lieb wie ich mir das erhofft hatte. Irgendwie fand ich mich plötzlich auf der Autobahn, obwohl ich den Trip eigentlich nur mit Landstraßen geplant hatte. Na was solls, gerade auf der Straße oder gerade auf der Autobahn macht eh keinen großen Unterschied. Sind ja auch nur mehr 60km bis Volos, dann hab ichs gleich geschafft.
Das erste Schild auf der Gegenfahrbahn hatte Volos angeschrieben, shit… also 25km und 2 Mautstellen weiter war die nächste Abfahrt. Alles wieder Retoure, waren ja bloß 50km Umweg wieder an Larisa vorbei, Pfeil Richtung Volos und ab die Post,…
Irgendwie waren mir nur die LKWs unangenehm, der Windschatten raubte mir die Luftkühlung, mehr hab ich nicht, das mag ich nicht!
Wohl kam mir dann nicht nur meine Jet spanisch vor, auch dass die nächsten Kilometer kein Volos mehr angeschrieben war. Ich machs jetzt kurz. DIE Richtung war falsch. An einer Gyrosbude kurz nach dem richtigen Weg gefragt und der nette Herr meinte noch, fahr einen Kilometer zurück und dann links. Dann kannst du die Küste entlang fahren. Auch schön! So wars auch. Ein kleines Dorf nach dem anderen, genug bissige Kurven und fast keinen Sprit mehr im Tank. Wenn ich so zurück denke, glaube ich auch das mein 2L Reservekanister gerade nicht befüllt war. Der Umwege hat mir später noch eine schöne Seite von Griechenland gezeigt. In der Gegend um Kalamaki und Kanalia herum werden Felder im großen Stil durch Kanäle unter Wasser gesetzt, es gibt viele Olivenplantagen und sehr verwachsene Straßen, die auch wieder geradeaus gehen. Schon ein feines Gefühl, mit 90 Sachen, dem Sonnenuntergang zu seiner Rechten und Staudenwerk, dass in die Straße rein wächst, dahinzu(lam)brettern. Als ich in Volos ankam war es schon finster, meine Freunde per SMS informiert, dass ich schon in der Zielgeraden bin.

Kanalia
Hafen

Pilion, von dort brach Jason mit den Argonauten auf, um das goldene Vlies zu finden, sie schafften es angeblich bis nach Istrien, wo ich ja auch noch landen sollte. Ich spürte gar nichts von den Mythen und Helden, es war auch dunkel, kalt und es ging den Berg ganz schön rauf und ich wollte eigentlich nur mehr Wein, oder einen Salat mit Feta. Als geeichtes Bergkind fühle ich mich ja im kurvigen Gelände sehr wohl und ließ das auch den Roller spüren. Als ich einige Tage später unter Tags die selbe Strecke fuhr, sah ich auch über den Kegel meines Scheinwerfers hinaus… . So gegen 11:00h nachts war ich dann angekommen, dort wo ich eigentlich hin wollte. Ein Bier noch, etwas plaudern aber ganz schön auf 100 im Kopf, also ziemlich überdreht. Ab ins Bett. Für mich war die Terrasse gedacht, da die Familie und Anhang meiner Freunde noch bis nächsten Tag da waren. In der Früh und auch in der folgenden Woche hat mich das Morgenrot aufgeweckt, noch in der Horizontalen sah ich die Delphine ihr Frühstück jagen und war selber gleich auf Essenssuche. Sehr fein,.. Weinreben über mir, Apfelbäume dort drüben und Himbeeren ober der Mauer entlang der Straße und hinter der kleinen Ölmühle. Mir war klar, die nächsten Tage wird viel gekocht und Selbsterhaltung fällt hier nicht schwer! Die folgenden Tage waren traumhaft schön mit Freunden am Strand .

Agios Ioannis
Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Agios Ioannis

Nach 5 ganzen Tagen im Paradies ging es früh am Morgen wieder Retoure nach Igoumenitsa. Meine Fähre legte gegen 22:00h ab. Mittlerweile war mein Orientierungssinn besser, Larisa hab ich links liegen gelassen und ab der Höhe Meteora waren auch wieder meine heiß geliebten Kurven da. Eine Schrecksekunde, wenn man immer mit einem Ohr auf den Motor hört und sich plötzlich irgendein bösartig saugendes Geräusch auftut. Es war die Griechische Luftwaffe, die wieder eine der zahlreichen Übungsflüge absolvierte. Die halten ihre Flieger auch trotz Krise in der Luft. Wie auch immer, mein Roller hält und seit der Hitze im Flachland von Griechenland war ich mir auch sicher, er ist wüstentauglich (Notiz für mich, Afrikakarten organisieren).

Aufbruchsstimmung
Aufbruchsstimmung

Gegend
Gegend

Gegend

Gegend

Gegend

Staßenaufnahmen
Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

Staßenaufnahmen

So war ich nach ca. 6 – 7 Stunden Fahrt wieder in Igoumenitsa, Gyros Pita, Bier und zum mir bekannten Bäcker um ein paar Paradeiser-Olivenkringel für die Verpflegung an Deck der Fähre. Die restliche Zeit hab ich am Strand neben dem alten Hafen verbracht und die Abendsonne genossen, noch ein bisschen Roller gepflegt, wieder ein gerissenes Tankband mit Kabelbindern ersetzt und festgestellt, dass auch die Aufnahme vom Endrohr des Clubman gerissen war. Ein netter Fischer mit Schweißerfahrung war schnell gefunden und soweit war wieder alles gefixt. Einziger Wermutstropfen, als ich aus dem Nauticbedarf-Laden raus zu meinem Roller ging, stand dort ein Kerl mir Perry Shirt und der schönen himmelblauen 50S, die ich schon eine Stunde vorher in der Gegend gesehen hatte. Er war gut drauf, freute sich, dass er wie ich eine Jet200 habe und sagte, er würde sich morgen Richtung Osten auf den Weg machen, dort ist das große griechische Vespatreffen. Also merke man sich für die Zukunft, vorher schauen wo Runs und Nighter sind, bin mir sicher die hier im Süden sind große Klasse!
Abends mit einem Rudel GS Jockeys wieder auf die Fähre gewartet und die Verspätung gelassen mit meiner Reserve an Retsina genossen. Über die in Folge der endenden Ferien verstopfte Fähre möchte ich kein Wort schreiben.

Igoumenitsa
Igoumenitsa

Fähre
Fähre

Fähre

Fähre

Fähre

Ancona kam mir beim der Ankunft sehr vertraut vor. Federico gab mir am ersten Abend bei Pizza und Bier auch den Tipp mir das Umland anzusehen, Portonuova, schöne Steilküsten, kleine Dörfer rundherum. So schön ist bella Italia, die 3 Stunden bis zum Beladen der Fähre nach Zadar/Kroatien habe ich nicht so schlecht herum gebogen. Im Supermercato in Ancona hab ich mir den guten getrockneten Schinken von Hand aufschneiden lassen, Mozzarella schmeckt dort auch ganz anders als bei uns. Routiniert noch einen Espresso im Cafe am Piazza und ein Eisgeschäft, das angeblich seit 1891 das kühle fruchtige und schokoladige Etwas meiner Begierde rührt, taten den Rest um die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Fähre
Fähre

Die Fähre von Ancona nach Zadar war sehr entspannt im Gegensatz zu der großen überlaufenen von vorhin. Morgens um 5:30h war ich angekommen und fühlte mich als halber Wiener schon fast etwas zu hause, im ehemaligen Jugoslawien. Frühstück gabs eine Stunde später mit Ausblick aufs Meer, Pfirsiche aus Italien und noch zwei Paradeiser mit Ciabatta, fein, fein. Die Straße der Küste entlang Richtung Rijeka nahm ich bis auf einen Tankstopp volley, das Meer war zwar wirklich einladend schön, aber hey, ich war ja gerade einige Tage baden. Die Küstenstraße ist traumhaft zu fahren mit einem Roller. Zur Linken die felsigen, vorgelagerten Inseln Kroatiens, zur Rechten nur spitze graue Felsen. Ich möchte kein barfüßiger Riese in Kroatien sein. Einzig möchte ich mich an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten, denn wenn da 40km/h auf einer Tafel steht, geht wirklich nicht mehr! Vor Rijeka nahm der Verkehr schlagartig zu. Die Jet war meist auf der Mittellinie unterwegs und ich möchte meinen, ich war schneller am Ziel als viele Urlauber. Rijeka hab ich nur aus Neugierde durchfahren, ein paar schöne alte Häuser stehen in der Hafengegend, sonst hat mich aber nicht viel gehalten. In Gedanken war ich eher schon in bei meiner ehemaligen Mitbewohnerin, die ganz im Süden von Österreich, gleich beim Loibel zu Slowenien wohnen. Das war auch noch mein Ziel für diesen Abend.

Frühstücksplatz
Frühstücksplatz

Kurz vor Slowenien hat mich auch zum ersten mal der Regen gröber erwischt. Vor der Grenze hat es mächtig gestaut. Völlig unbeeindruckt war der Mittelstreifen wieder mein Freund und ich war schnell erster. Slowenien war wie Österreich, nur irgendwie trostloser. Die Natur war förmlich explodiert, grüne Büsche und Bäume überall. Irgendwann war der Regen auch aus, mir war kalt in den Füßen und Händen. Die Einmalhandschuhe von der Tankstelle halten in mehreren Lagen zwar dicht, aber nicht besonders. Die Schuhe waren auch schnell durchzogen, aber die Beine an die Motorbacken gepresst, wärmten sich langsam wieder auf. Irgendwo nach Ljubljana und kurz vor den Karawanken war der Regen wieder ganz schön am Werken. Es wurde auch immer kälter und die Hügel immer bergiger, die Berge immer enger und schon war es wieder der klassische Aufstieg auf einen Pass. Nach dem 5. Pass, den ich bis Griechenland hatte, habe ich auch nicht mehr mitgezählt. Reine Routine mittlerweile, steck ich doch in die kleine Hosentasche! Am Pass angekommen war ich überrascht und gleichzeitig enttäuscht. Es war einiges los an diesem Tag, ein Oldtimer Rennen für Zweiräder die alte Passstraße rauf. „Soll ich schnell das Gepäck abwerfen, den Vergaser knackig bedüsen und die Zündung auf mehr Vorzündung stellen?!“ fragte ich mich in der selben Sekunde in der ich das auch wieder verwarf und traurig feststellen musste, das so ein einfacher Tunnel jetzt da vor mir ist, anstatt des richtigen Passes.
Im Regen gings langsamst den Pass runter mit der Vorfreude auf alte Freunde die ich schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatte und diese in ihrer Heimat zu treffen. Schön wars, bin gleich drei Nächte geblieben, haben sehr nett gefeiert gleich am ersten Abend. Die folgenden Tagen waren gemütlich mit Fernsehen auf der Couch, Essen Fahren nach Slowenien (Steinpilze in allen Variationen, Lendbraten, Beef Tatar,…) Freunde besuchen und im Grünen herum stiefeln. Mit dem Versprechen auf baldigsten Gegenbesuch war ich auch früh am Morgen, am letzten Tag meiner Reise, zurück zum Basislager bei meinen Eltern.

Kärnten
Kärnten

Die Strecke war schön, wieder einmal auf die Autobahn verirrt, ohne dies zu Wollen. Die Route zurück durch Kärnten und die Steiermark war mir ja sehr bekannt, schöne Landschaft, Regen, Schnee! Als ich nach dem Seeberg, der schon bis fast zur Wiese runter weiß war, die Kreuzung erreichte, wo ich vor ca. 2 Wochen links abgebogen bin um über Wildalpen nach Agios Igoumenitsa zu fahren, war ich in Gedanken schon wieder am Abbiegen Richtung Süden, Sonne und Meer. Da war die Kreuzung auch schon wieder an mir vorbei und ich schon in meiner alten Heimat, ähnlich wie tage davor am Loibel. Die zwei Nächte dort waren sehr angenehm um sich langsam alle Eindrücke zu verarbeiten und auf einen trockenen Tag zu warten. Essen war natürlich auch gut, Lamm aus biologischer Weidehaltung von der Wiese gleich neben dem Haus. Die letzten Kilometer zurück nach Wien waren schon fast zu normal, nur mit 3500km mehr am Roller.

Sendestation Aflenz
Sendestation Aflenz

Sendestation Aflenz

Seeberg
Seeberg

Basislager
Basislager

Wien
Wien

Zum Schluss dieses Reiseberichts habe ich eine wichtige Erfahrung die ich gerne teilen möchte. Wer ein altes italienisches Zweirad fährt (auch wenns in Spanien gebaut war, fällt eh keinem auf…) sollte es zumindest einmal auf deren Boden bewegt habe, das bewegt nicht nur Dich, sondern auch die Leute die du am Weg triffst, so wie den alten Herrn in Morro D´Alba, den Kerl auf seine Kawasaki Ninja, der mir mit Händen und Füßen wild gestikulierend seinen Respekt gezollt hat oder Scooterboys wie Federico, Thomas und Enrico. In diesem Sinne, vergiss das Handtuch nicht wenn du auf Reisen gehst.

Tom

Streckenkarte

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